Cornelis de Heem (1631 Leiden – 1695 Antwerpen), Stillleben mit Austern, Zitrone und Trauben, Ausschnitt, bez. l. an der Tischkante: C. DE. HEEM. f., Öl/Eichenholz, Residenzgalerie Salzburg | © DQS/RGS_Ghezzi Cornelis de Heem (1631 Leiden – 1695 Antwerpen), Stillleben mit Austern, Zitrone und Trauben, Ausschnitt, bez. l. an der Tischkante: C. DE. HEEM. f., Öl/Eichenholz, Residenzgalerie Salzburg | © DQS/RGS_Ghezzi
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Goldene Zeiten
Ausstellung
02.10.2019 - 12.01.2020 · DomQuartier Salzburg
Montag, Mittwoch - Sonntag
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Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts

Die Niederlande stehen 2019 im Zeichen des Goldenen Zeitalters. Gedacht wird des Werks von Rembrandt van Rijn, dessen Todestag sich zum 350. Mal jährt, sowie der Epoche, in der er tätig war. Salzburg feiert mit und zeigt ab 3. August im DomQuartier

Highlights europäischer Malkunst.

Die Ausstellung der Residenzgalerie Salzburg ist die einzige österreichweit, die auf dieses bedeutende kulturelle Jubiläum Bezug nimmt. Präsentiert werden 73 Meisterwerke aus der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien und der Residenzgalerie Salzburg.

Die „Goldenen Zeiten“ sind damit die größte Schau niederländischer Malerei, die jemals in Salzburg zu sehen war.

Ein Dialog zweier bedeutender Sammlungen

Einzigartige wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedingungen bildeten den fruchtbaren Boden für die glanzvolle Blüte der holländischen Malerei des

17. Jahrhunderts. Diese Zeit wird als Gouden Eeuw, das Goldene Zeitalter, bezeichnet. Die erlesene Auswahl an Stillleben, Landschaften, Marine- und Architekturstücken, Genrebilder und Porträts in den Räumlichkeiten der Residenzgalerie schenkt einen faszinierenden Einblick in dieses einzigartige Phänomen der europäischen Kunst.

Die Residenzgalerie Salzburg und die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien verfügen beide über einen wertvollen Bestand an holländischer Malerei des 17. Jahrhunderts in ihren Sammlungen. Die kostbaren Gemälde der Residenzgalerie stammen aus der altösterreichischen Adelssammlung der Grafen Czernin, die in den 1980er Jahren vom Land Salzburg erworben wurden, jene der Gemäldegalerie aus dem Legat des Grafen Anton Franz de Paula von Lamberg-Sprinzenstein.

Kunst fällt nicht vom Himmel. Gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedingungen beeinflussen und prägen das Kunstschaffen. Geradezu beispielhaft lässt sich dies an der holländischen Malerei des „Goldenen Zeitalters“ beobachten. Diese Malerei war eine Kunst für alle – und trotz des ökonomischen Erfolges von herausragender Qualität und von bahnbrechender Bedeutung.
Erika Oehring, Ausstellungskuratorin

Gouden Eeuw - Goldenes Zeitalter

Etwa sechzig Jahre lang florierte in den nördlichen Niederlanden des 17. Jahrhunderts eine in jeder Hinsicht einzigartige Kunst- und Kulturlandschaft. Eine bemerkenswerte gesellschaftspolitische Konstellation, verbunden mit einem beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung und einer gewissen religiösen Toleranz, bildeten dafür die Voraussetzungen.

Das Gouden Eeuw, das Goldene Zeitalter war das Ergebnis eines Aufstandes: In dem achtzig Jahre andauernden Unabhängigkeitskampf gegen das habsburgische Spanien (1568–1648) gründeten die nördlichen Provinzen Friesland, Geldern, Groningen, Holland, Overijssel, Utrecht und Zeeland am 23.1.1579 in Utrecht die Union der nördlichen Niederlande. Diese sagte sich am 26.7.1581 vom spanischen König Philipp II. los. Gegründet wurde die Republik der Vereinigten Provinzen der nördlichen Niederlande, auch Holland genannt, nach der finanziell stärksten Provinz. Die Regierung in Den Haag wurde von den Generalstaaten geführt, einer Versammlung von Vertretern der einzelnen Provinzkammern mit Kaufleuten und Patriziern als Abgeordneten. In dieser Gesellschaft spielten der Adel und sein höfisches Reglement keine nennenswerte Rolle.

Wirtschaftliche Weltmacht

Nachdem die südlichen Niederlande 1585 erneut unter die absolutistische Feudalherrschaft von Spaniens König Philipp II. gefallen waren, folgte von den südlichen in die nördlichen Niederlande eine der größten Migrationswellen der Neuzeit. Vom enormen Bevölkerungszuwachs profitierte neben der Wirtschaft nicht zuletzt die Kunst. Vor Repressalien, Inquisition und verlorener Lebensgrundlage befanden sich Kaufleute, Handwerker, unzählige Künstler und Dissidenten auf der Flucht, unter ihnen viele Calvinisten. Diese bildeten den Motor einer dynamischen Entwicklung. In einer Zeit, die gemeinhin als Krisenzeit gilt, investierte man in die Modernisierung der Landwirtschaft, in Fischfang, Schiffbau und Schifffahrt, Handel, koloniale Stützpunkte in Übersee und in den Aufbau eines Bank- und Kreditwesens. Das erfolgreiche Ineinandergreifen von Handel, Schifffahrt und Finanz katapultierte das Land an die Spitze des Welthandels.

Kunst für alle

Selten war eine Epoche und Region so reich an Talenten und namhaften Künstlern.

Diese sahen sich hier mit neuen Herausforderungen konfrontiert, spielte doch der heimische Adel kaum eine Rolle, er fiel als Auftraggeber ebenso aus wie die reformierten Kirchen. Dort waren religiöse Darstellungen nicht erwünscht. Es kam zu einem grundlegenden Wandel der Funktion von Malerei. Bis in das 16. Jahrhundert dienten Gemälde vor allem der Andacht. Nun wurde deren Unterhaltungsfunktion immer bedeutender. Die Säkularisierung führte zu einer Verselbstständigung nicht-religiöser Themen wie Stillleben, Landschaften, Genrebilder oder Marinedarstellungen. Künstler waren vor allem auf das Interesse der Bürger angewiesen.

Die meist in Gilden organisierten Maler spezialisierten sich auf einzelne Themen, um in der großen Konkurrenz zu bestehen. Nur wenige Meister konnten allein von ihrer Kunst leben. Das Vergnügen des Sehens war begleitet von mehr oder weniger verschlüsselten moralisierenden Belehrungen. Tot lering en vermaak (um zu belehren und zu gefallen) lautete die calvinistische Forderung. Der Kunstbesitz holländischer Haushalte war auffallend groß. Messen, Märkte, Lotterien, Auktionen und der Kunsthandel boten die Möglichkeit, Bilder mit größerem oder kleinerem finanziellen Einsatz zu erwerben.

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